Triathlonverein Dresden e.V.

Roland und ich entschieden uns, zum IRONMAN World Championship auf Big Island, außerhalb jeglichen touristischen Trubels, oberhalb von Kailua-Kona, eine kleine Ferienwohnung zu mieten.

Mit einem Mietwagen wollten wir neben den Wettkampfvorbereitungen auch die Insel während unseres kurzen Aufenthaltes möglichst umfangreich erkunden.

6 Tage vor dem Wettkampf landeten wir auf dem offenen, fast nicht überdachten Flughafen auf Big Island.

Weil wir zuvor eine ganze Nacht auf dem Flughafen von LA verbracht hatten, war der erste Schlaf in Kona sehr lang geworden. Geweckt wurden wir von Hähnen um 2 Uhr morgens, die meinten den neuen Tag anzukündigen. Die Wiederholung trat gegen 6 Uhr ein. Jedoch wurden die Rufe der Hähne mit einem voluminösen Vogelgezwitscher untermauert.

Für die Akklimatisierung hatte ich nicht viel Zeit.

Nach dem ersten Schwimmmetern am Dienstag radelte ich am Mittwoch zum Test in der besten Mittagswärme. Ich begriff, der Wind muss mein Freund sein. Er verschaffte eine gute Abkühlung. Nach 1,5 h auf dem Rad, wies mein Körper Grenzen auf. Übelkeit war kein gutes Zeichen. Was soll bloß am Samstag zum Wettkampf werden? Die Wiederholung folgte sofort am darauf folgenden Tag. Und es ging besser.

Vor dem Schwimmen hatte ich als schlechter Schwimmer Respekt. Die Erinnerung an den IM Klagenfurt 2012, bei Neoprenverbot eine sehr, sehr lange Zeit geschwommen zu sein – war immer im Hintergrund anwesend. Werde ich die Trainingszeiten aus den Wochen zuvor auch im Freiwasser erreichen?

Und zu guter Letzt – der Lauf. Da war alles offen. Ich weiß, dass mein Körper bei hohen Temperaturen streiken kann und mich zum Wandern verdonnert.

Der Tag „X“ rückte näher. Mitten im bunten Menschengewimmel von Athleten, Freunden, Familienmitgliedern, Fans…fand das Briefing in einer kleinen weißen Kirche in Kailua-Kona statt. 

Das Wort „Weltmeisterschaft“ hatte ich versucht, im Vorfeld auszublenden. Es sollte halt ein ganz „normaler IRONMAN“ sein. Aufgeregt war ich im Vorfeld ausreichend – halt wie immer…immer das gleiche „Leiden“.

Das Einchecken des Rades am Vortag des Rennens wurde bei jedem Athleten zelebriert. Jeder Teilnehmer bekam eine Begleitung zur Seite, wobei nicht nur das Rad und die zwei Wettkampfbeutel richtig abgestellt wurden…Fragen beantwortet wurden, sondern auch alle wichtigen Wege gemeinsam abgelaufen wurden.

Tag „X“:

Obwohl meine Startzeit (Frauen Agegrouper) gefühlt mit 7:20 Uhr am Vormittag lag, waren Roland und ich bereits ab um 3 Uhr auf den Beinen.

Wer das Herzstück des IRONMAN, den Wechselgarten, erreichte, brauchte nur den Standort des Body Markings finden. Danach fädelten sich alle wichtigen Vorbereitungen zum Wettkampf wie eine Perlenkette auf. Nichts wurde dem Zufall überlassen. Auch die auszuleihende Luftpumpe, inclusive einer Taschenlampe hatte Begleitschutz. Wohlgemerkt, es wurde erst gegen 6 Uhr langsam hell.

Mit dem neuem, knallig rotem Triathlonanzug des TV, startete ich mit dem Kanonenschuss aus 3./4. Reihe.

Dem zu erwartenden „Gekloppe“ wollte ich aus dem Weg gehen. Sicherlich trägt diese Entscheidung nicht wesentlich zur Verbesserung meiner Schwimmzeit bei. Als ich auf dem Rückweg auch noch Männerbeine überholte, freute ich mich um so mehr auf das Kommende.

Auf dem Radel unterwegs…ohne Wattangaben…musste daher eine Belastung der Beine finden, die die ganze Strecke gut durchhalten. Für die monoton zu fahrende Radstrecke waren meine ausgedehnten Esszenarien eine gute Ablenkung.

Die befürchteten Windböen blieben aus. Dafür entwickelte sich mein Radel zu einem kleinen Ziegenbock. Zunächst sammelte ich meine Uhr ein, die ich versehentlich vom Lenker gefegt hatte. Plötzlich wollte die Kette nicht mehr so arbeiten, wie sie sollte. Nach dreimal runterfallen, blieb die Kette auf den letzten Kilometern auf dem großen Blatt.

Nun kam das, was sich im Nachgang herausstelle, die härteste Disziplin, der Lauf.

Die Beine waren schwer und ich dachte, hatte ich doch die Beine zu sehr auf dem Rad verheizt? 

Der Lauf begann auf schattigen Straßenzügen, vollgestopft mit einer lebenslustigen Fangemeinde des IRONMAN. Ich nutzte ständig Eiswürfel, die es an dem dichten Verpflegungsnetz fast immer gab. Den Queen K Highway hinauf verlor die Sonne langsam Ihre Kraft und es setzte die rasch eintretende Dämmerung ein.

Um 18.30 Uhr war alles stockdunkel. Geografische Ziele, die für meinem Lauf wichtig waren, entfielen. Der Weg zum Wendepunkt des Energy Lab gestaltete sich unendlich. Auf dem Rückweg bekam ich einen kurzen Regenschauer geschenkt. Über den wieder endlos erscheinenden Weg des Queen K Highway schob sich das Ziel immer näher heran.

Den letzten sanften Berg des Queen K Highway joggte ich in Kaffeebohnenschritten mühevoll hoch und wollte den kleinen Vorsprung zu den Überholten nicht wieder hergeben.

Kein Läufer vor mir, bog ich in Kona angekommen, auch mal falsch ab…“folge den roten Kegeln“…Ein Polizist machte mich darauf aufmerksam und der korpulente Mann war sich zu schade, mit mir die Straße wieder hinauf zu joggen und mir den richten Weg zu weisen.

Bei der letzten Versorgungsstation kurz noch einmal Wasser aufgenommen und die Handvoll Verfolger noch im Nacken, versuchte ich schneller zu laufen. Wenn das Ziel so nahe ist, da können die Beine plötzlich doch noch…ein paar wenige Teilnehmer noch überholt – Zielgerade – und ich darf etwas genießen.

Mit mir im Reinen und zufrieden – konnte bis zuletzt essen – konnte zwischen den Verpflegungsstationen komplett laufen.

Vielen Dank an Roland, an Martin Koch sowie an den Triathlonverein Dresden e.V. und alle, die vor, während und nach dem Rennen an mich gedacht hatten und mir unendlich Daumen gedrückt hatten.

P.S. Die Insel und deren Schwestern sind auch ohne des IRONMAN ein wundervolles Stück Erde und sind jederzeit für einen Besuch zu empfehlen.

Sportliche Grüße Antje

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