Triathlonverein Dresden e.V.

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Not so fast five mit unserem Präsidenten -- Interview!

Vielen Dank für die Fragen. Das hat mir die Möglichkeit gegeben, ein paar Erfahrungen zu reflektieren. Geantwortet habe ich mal im Sinne von: "Das liest eh keener zu Ende...". "Viel Spaß!" ;-)))

 

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Hei Joerg, wie bewertest du das Jahr 2016 bisher für den Triathlonverein Dresden?

Da die Saison noch nicht begonnen hat, lässt sich zur sportlichen Erfolgskurve freilich noch nicht so viel berichten oder bewerten. Der Nachwuchs war schon hier und da unterwegs und hält sich mit dem Ehrgeiz nicht zurück. Das Schwimm-Camp im Winter hat sicher einige Mitglieder bereichern können.

Darüber hinaus waren wir als Präsidium bemüht, die wettkampfärmere Vorsaison mit den Vereinsevents anzureichern. Das wurde bisher nicht in gewohntem Maße angenommen, abgesehen von Swim-Camp und City-Lauf. Wahrscheinlich schlägt die Unverbindlichkeit der Abonnementkultur sozialer Netzwerke langsam zu. Sprich, das Verpflichtungsgefühl gegenüber einer fremden Leistung ist gefühlt recht gering, wenn die Empfänger keinen Wert an Sie gebunden, also etwas dafür investiert haben. Wenn diese Wertbindung fehlt (die kann materiell, sozial oder aus Aufwandsinvestition bestehen), dann steigt die Gefahr, sich "blasiert" im Sinne von abgestumpft zu verhalten. Trauriges Beispiel für das Gemeinte geschah Anfang des Jahres bei dem freien Angebot eines externen Psychologen, der den Mitgliedern in unvergüteter Zeit ein Entspannungstraining angeboten hat. Das lief erst recht gut. Aber zu einem dann letzten Termin ist von 6 gemeldeten Teilnehmern lediglich einer erschienen. Das lässt die Unverbindlichkeit im Sinne der Blasiertheit erkennen, die ich meine.

Trotz dieser Entwicklung, die ja kein prägendes Element des Vereins, sondern der gesellschaftlichen Entwicklung ist, konnten wir Finalist bei der Wahl zum "Verein des Jahres 2015" werden. Diese Ehrung würdigt das Ehrenamt, das es im Verein gibt und ich denke zurecht. Die Schere geht aber augenscheinlich weit auseinander. Ein Zusammenrücken der Scherenschenkel wäre cool, denn erst dann erreichen wir Einschneidendes.

 

Hat sich das Präsidium für dieses Jahr etwas besonderes vorgenommen? In welcher Richtung soll der Verein weiterentwickelt werden?

Nö. Es wurde keine spezielle Agenda für dieses Jahr ausgerufen. Entwicklungsbereiche gäbe es ohne Frage. Die coachende Trainingsbetreuung im Laufen und im Schwimmen ließe sich immer steigern. Und der Verein sollte in diese Richtung weiterentwickelt werden, denn dadurch ließen sich Neueinsteiger noch besser auffangen und der Sport noch breiter vermitteln. Je mehr Menschen erreicht werden, desto massenphänomenaler kann der Sport werden, was schließlich gesteigerte Erlebnisvielfalt oder Erlebnistiefe nach sich zieht. Leider stoßen wir hierbei an das o.g. Problem. Ökonomisch berechnend auf das Rationale beschränkt, erkennen zu wenige den persönlichen Mehrwert daran, den Aufwand auf sich zu nehmen, eine entsprechende Ausbildung zu machen und dann Zeit zu investieren um etwas für andere zu schaffen.

Meines Erachtens liegt der Mehrwert darin, in der Lage zu sein, das gesellschaftliche Leben mitzugestalten. Das ist durchaus bereichernd. Zumal, wenn man sich 15 oder 20 Jahre lang im Sport selbstbestätigt hat, kann der Wirkungsgrad an gefühlter Selbstbestätigung in anderen Bereichen wahrscheinlich deutlich höher ausfallen. Meistens ziehen sich erfahrene Sportler nach der eigenen Karriere jedoch gänzlich zurück.

Die wenigen treibenden Kräften des Vereins sind auf jeden Fall gut ausgelastet und können kaum noch Expandierendes oder Reformierendes beitragen. Beispielsweise lag mein eigener Aufwand für Vereinstätigkeit in diesem Jahr noch vor Mitte April bereits bei mehr als 160 Stunden. Da geht nicht so viel mehr. Statt der Ausweitung der Angebote werden wir im Vorstand vermutlich zum Jahresende über eine Kürzung sprechen, um das Vereinsleben etwas zu konzentrieren. 

 

Was sind die Höhepunkte im Vereinsleben in 2016 und welche besonderen sportlichen Herausforderungen stehen für Vereinsmitglieder an?

Die Höhepunkte des Vereinslebens bleiben die gemeinsamen Wettkämpfe in den Liga-Rennen und die Vereins-Events. Die individuellen Ziele der Mitglieder sind so manigfaltig, wie eh und je. Man hört die Begriffe Roth, Hawaiiquali, ganz oft DM Cross-Triathlon, Moritzburger Triathlon, aber auch diverse Rennen unter den großen Labeln. Der Ehrgeiz ist da nicht zu bremsen.

 

Du bist nun bereits im vierten Jahr deiner Präsidentschaft. Was motiviert dich soviel Energie in den Triathlonverein zu stecken und was treibt dich als Funktionär an?

Wenn für etwas Verantwortung übernommen ist und im Zusammenhang Aufgaben anstehen, denke ich nicht so sehr über die Motivation nach, sondern beginne die Aufgabe zu lösen. Damit spart man sich die Energie, sich motivieren zu müssen. So zu handeln, ergibt sich aus individuellen Erfahrungen. Schon die Gewohnheit neben Beruf und Familie intensiv Sport zu treiben, bringt solch eine Herangehensweise mit sich.

Eine vermeintliche Erkenntnis ist zudem, wer clever viel investiert, hat irgendwann mehr Ressourcen, einen Vorsprung, größere Wahlmöglichkeiten, gesteigerte Übersicht, weniger Beschränkungen, erweiterte Entscheidungsspielräume und steigende Kontaktmöglichkeiten. Das klappt im Sport, im Beruf und im Verein auch ein Stück weit.

Die Basis dessen ist Gestaltungswillen, lösungsorientiertes Denken und um den Bogen zu den einleitenden Worten zu schließen - unblasierte Verbindlichkeit. Denn die Wahrnehmung seiner selbst bildet sich am Konsens mit der sozialen Umgebung. Und da geht es nicht um den sportlereigenen Narzismus ;-), sondern um eine zufriedenstellende Wertebildung. Wer seinem sozialen Umfeld gegenüber die Verbindlichkeit entzieht, wird solche nicht zurück bekommen. Letztendlich wirken Freude und Erfolge anderer, zu der/ denen man mehr oder weniger beigetragen hat, auf einen zurück. Im Verein mit einer Aufgabe kann das auch klappen, wenn man sich investiert.

 

Wo siehst du den Triathlonverein Dresden in 5 bzw. 10 Jahren?

Auf jeden Fall in Dresden. ;-)

Ein Neuerfinden oder Reformieren ist vielleicht gar nicht notwendig. Dresden ist eine Zuwanderungsstadt. Die Hälfte aller Dresdner sind nicht hier geboren. Das Gesicht seiner Bewohner ändert sich damit ständig. Und das bekommen auch die Vereine zu spüren. Wir haben jährlich eine Fluktuation von ca. 20 Mitgliedern. Bereits über einen mittleren Zeitraum bleibt damit gerade einmal eben die Hälfte des Mitgliederbestandes stabil. Für die Neuankömmlinge ist der Verein an sich schon eine Mehrerfahrung. Ein einhergehender Wandel des Vereins in Struktur oder Angebot würde für diese relativ unbemerkt bleiben. Dabei sind die Neumitglieder zumeist diejenigen, welche die Angebote am regsten und dankbarsten annehmen, ohne Entwicklungen einfordern zu müssen. Erfahrenere Mitglieder sind oftmals so hoch ökonomisiert im Tagesablauf, dass eine individualisierte Trainings- und Wettkampfgestaltung ihren Ansprüchen eher genügt. Es wird von dieser Seite auch wenig Bedarf an das Vereinsleben herangetragen.

 

Willst du dann immer noch Präsident sein und den "Kahn schaukeln"? 

Lieber wäre ich wieder ausschließlich Trainer. Die Übernahme des Präsidentenamtes war notwendig, weil eben die Bereitschaft zur Verbindlichkeit anderer ausblieb und Frank als langwährender Vorgänger einen Wechsel in Aussicht stellte.

Vorher habe ich als Trainer und Teamchef der Ligamannschaften agiert. Letzteres hat Martin erfolgreich übernommen. Die Präsidenteneigenschaft knüpft maßgeblich die Geschäftsstellentätigkeit an sich. Der bereichernde Erfahrungsgewinn daraus hält sich nach 4 Jahren jedoch in Grenzen. Stünde die mit der Vereinsverwaltung verbrachte Zeit für Trainertätigkeiten zur Verfügung, ließe sich inhaltlich methodisch noch enger mit den Mitgliedern zusammen arbeiten. Da bin ich gespannt, wann sich jemand für eine der beiden Aufgaben begeistern kann und qualifizieren will. Eine Möglichkeit, die sich demnächst im Vorstand besprechen ließe, wäre das Einrichten einer Geschäftsstelle. Damit ließen sich Zeitressourcen wieder verschieben.

Egal, welche ehrenamtliche Funktion im Verein ausgefüllt wird, es Bedarf dazu der Verbindlichkeit und Eigeninitiative. Ich danke in dem Zusammenhang etwa dem Dutzend Vereinsmitgliedern, die Verantwortung übernehmen, verwalten, gestalten, anleiten, organisieren und einen Mehrwert für alle anderen schaffen.

 

(die Presseabteilung) 

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